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Vom Weinliebhaber zum erfolgreichen Shopbetreiber von weguwo

 

Diese Woche haben wir uns bei ShopDNS ein bisschen vor der eigenen Haustür umgeschaut und uns gefragt: Wie viele spannende Shopprojekte kommen wohl direkt aus Würzburg und Umgebung? Eine exakte Antwort auf diese Frage konnten wir bisher zwar nicht finden, dafür haben wir aber die Betreiber des Weinshops weguwo kennengelernt. Mit dem Geschäftsführer Carsten Rieder haben wir über Entstehung, Neuausrichtung und Weiterentwicklung des Shopware Shops gesprochen und sind zudem der Frage auf den Grund gegangen, ob Wein und Fußball eigentlich zusammenpassen.

Startseite des Shopware Shops von weguwo

Klar und übersichtlich strukturiert: der Onlineshop von weguwo. Beim Angebot hat man sich ganz deutlich auf Frankenwein spezialisiert. Das war allerdings nicht immer so und bis es zu der speziellen Ausrichtung des Shops kam, war es ein langer Weg für die drei Freunde aus Würzburg. (Quelle: Screenshot weguwo)

Drei Freunde aus Würzburg, die eine Leidenschaft teilen: guten Wein. An einem warmen Sommerabend beim Grillen im Garten entstand vor einigen Jahren die Idee, man könnte doch eigentlich mehr aus dieser Leidenschaft machen. Über Fachwissen zum Thema verfügen die drei allemal, immerhin ist einer von ihnen als Sommelier tätig.
Damit war die Idee für den Onlineshop von weguwo geboren.

ShopDNS: Was waren die größten Herausforderungen bei der Entwicklung Ihres Shops?

Rieder: Anfangs dachten wir, wie wahrscheinlich die meisten Laien, in so einen Onlineshop muss man einfach ein paar Artikel reinstellen und dann läuft das Ganze. Wir haben dann ziemlich schnell festgestellt, dass es eben nicht so ist und man ein Konzept und eine Strategie braucht. Also haben wir zunächst überlegt, was uns besonders machen soll im Vergleich zu Anderen. Unser erstes Konzept war, ein möglichst großes und vielseitiges Sortiment an bekannten Weinen aus aller Welt anzubieten und über eine gute Preispolitik unser Geschäft zu machen. Außerdem haben wir auch über Marktplätze wie ebay und Amazon verkauft.
Wir waren damals komplett neu in der Online-Branche und hatten von vielen Themen noch wenig Ahnung. So hatten wir dann zwar einen Shop im World Wide Web, aber kein Mensch wusste von dessen Existenz. Leider helfen sämtliche gute Ratschläge zur ansprechenden Gestaltung eines Shops und so weiter nichts wenn man keine Kunden im Shop hat, weil keiner weiß dass es den Shop überhaupt gibt. Zum Glück hat sich ein guter Freund von uns im Studium ausführlich mit dem Thema SEO beschäftigt und uns ein bisschen unter die Arme gegriffen. Dank ihm achten wir darauf, immer ausführliche, eigene Produktbeschreibungen zu schreiben und unique content zu produzieren.
Die nächste Hürde war, dass wir den Namen unseres Shops ändern mussten. Der hieß damals noch vinobay, das sollte für Wein aus Bayern stehen. Das hat der Rechtsabteilung von ebay nicht so gut gefallen und so haben wir eine Abmahnung mit einer Streitsumme von knapp 150.000 € bekommen.

ShopDNS: Was war denn an dem „bay“ nicht rechtmäßig?

Rieder: Angeblich war der namentliche Zusammenhang zwischen ebay und vinobay zu groß, obwohl das ja eigentlich überhaupt nicht unsere Intention war. Unsere Optionen waren entweder bezahlen oder in den Rechtsstreit gehen. Es war uns klar, dass das nicht einfach werden würde; wir drei kleinen Hanselchen gegen einen großen amerikanischen Konzern mit eigener Rechtsabteilung. Allerdings wurde da immer vom Namen „vinobäy“ ausgegangen, wir hießen ja aber eigentlich vinobay, bay für Bayern, also ein ganz anderer Zusammenhang. Vielleicht wäre es die Mühe eines Rechtsstreits wert gewesen, aber den Nerv dafür hatten wir damals ehrlich gesagt nicht.

ShopDNS: Wie kam es dann zum jetzigen Namen „weguwo“?

Rieder: Weguwo steht für Weingut Wöllried. Das kommt vom Wöllrieder Hof, ein Aussiedlerhof bei Würzburg, wo in den nächsten Jahren ein kulturelles und gastronomisches Zentrum entstehen soll.

„Der Onlinehandel mit Wein ist nicht ganz unkompliziert, da es sich um einen Genussartikel und keine Mode oder Elektronik handelt. Es geht um den Geschmack und man will eine Sorte zuerst probieren, bevor man sie für teures Geld bestellt.“

ShopDNS: Was hat sich neben dem Namen seit den Anfangstagen noch alles verändert an Ihrem Shop?

Rieder: Nachdem wir online gegangen sind haben wir ziemlich schnell festgestellt, dass alle anderen das gleiche Konzept haben und da sehr viel Preistreiberei herrscht. Wir mussten also unser Konzept anpassen, um uns am Markt behaupten zu können. Wir haben uns intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und festgestellt, dass der Frankenwein im Onlinegeschäft ein bisschen hinterher hinkt im Vergleich zu den anderen deutschen Weinregionen. Deshalb haben wir beschlossen, uns voll und ganz auf die regionale Schiene zu spezialisieren und mittlerweile findet man ausschließlich Produkte aus der Region in unserem Onlineshop.
Die Weingüter mit denen wir zusammen arbeiten haben wir über unseren Sommelier ausgewählt. Um unser Angebot möglichst erlesen zu halten, haben wir bewusst nur die Weine einiger weniger Weingüter im Angebot. Die Produktauswahl nimmt bei uns daher relativ viel Zeit in Anspruch.
Mittlerweile bieten wir außerdem auch unseren eigenen Wein an: Glaspelz. Den hat unser Sommelier kreiert und wir konnten bereits erste Erfolge damit feiern. Unser Glaspelz ist nicht unbedingt ein komplexer Wein, aber trotzdem genau unser Ding: ein qualitativ hochwertiges Produkt an dem die Leute Spaß haben und das wir zu einem fairen Preis anbieten können.

ShopDNS: Sie sprachen bereits von der großen Konkurrenz in Ihrer Branche. Welche weiteren Faktoren machen den Onlinehandel mit Wein zu einem komplizierten Unterfangen?  

Rieder: Wein ist nunmal ein Genussartikel und keine Mode oder kein Elektroartikel. Es geht um den Geschmack und man will eine Sorte zuerst probieren, bevor man sie für teures Geld bestellt. An dieser Stelle setzen wir von weguwo voll und ganz auf unseren Sommelier, der qualitativ hochwertige Produkte für unseren Shop auswählt und den Kunden auch beratend zur Seite steht.
Außerdem sind die Werbungskosten, zum Beispiel für Google-AdWords Kampagnen, für Wein sehr teuer. Die Konkurrenz ist hoch und der Markt wird einfach beherrscht von den Platzhirschen wie vicambo.
Anfangs haben wir uns das Projekt Onlineshop viel einfacher vorgestellt. Nach vier Jahren haben wir aber mittlerweile eine ganze Menge mehr Erfahrung und kennen die Schwierigkeiten des Onlinehandels.

„Werte wie Nachhaltigkeit und Regionalität sind uns sehr wichtig, nicht nur bei unseren Produkten sondern auch bei allen Leistungen rund um den Shop. Das heißt für uns keine Stock-Fotos und Zusammenarbeit mit Agenturen hier vor Ort.“

ShopDNS: Warum haben Sie sich bei der Entwicklung von weguwo für Shopware entschieden? Inwiefern konnte Shopware im Vergleich zu anderen Systemen überzeugen?

Rieder: Auf Shopware sind wir hauptsächlich durch persönliche Empfehlungen gekommen. Empfohlen wurde es uns unter anderem, weil Shopware laut verschiedenen Bekannten von Haus aus am Meisten mitbringt für jemanden, der sich mit der Materie noch nicht so gut auskennt. Neben den guten Referenzen im engeren Freundeskreis hat für uns außerdem das Preis-Leistungsverhältnis einfach gepasst. Erstellt und gestaltet wurde weguwo dann von einer Agentur aus Hamburg, die sich komplett auf Shopware spezialisiert hat.
Gestartet sind wir mit Shopware 4 und haben damals auch viele Plugins in unseren Shop integriert. Als dann Shopware 5 herauskam waren wir sehr begeistert, weil es eben viele Möglichkeiten bietet, gerade was zum Beispiel den Bereich SEO betrifft. Natürlich haben wir uns auch entsprechende SEO Plugins im Community Store gesucht. Als Vorbilder haben wir da immer wieder große erfolgreiche Shops genutzt. Im Endeffekt steht jeder Onlinehändler tagtäglich vor der Herausforderung, von seinen potentiellen Neukunden im World Wide Web gefunden zu werden.

 

Der Kickerswein im Shop von weguwo

Mit dem Kauf einer Flasche Kickerswein können Würzburger Fußballfans ihren örtlichen Fußballverein unterstützen und gleichzeitig erstklassigen Wein aus der Region genießen. Weguwo beteiligen sich an diesem Sponsoring Projekt der Würzburger Kickers, indem sie den Wein über ihren Onlineshop vertreiben. (Quelle: weguwo).

Wein und Fußball – ein ungleiches Paar?

Passend zu der Neuausrichtung des Shops und dem verstärkten Fokus auf regionale Weine ergab sich für die drei Weinexperten vor einiger Zeit eine spannende Kooperation mit den Würzburger Kickers. Diese spielten damals noch in der Regionalliga Bayern, hatten aber das ehrgeizige Ziel, in drei Jahren in die dritte Liga aufzusteigen. Für die Umsetzung dieses Plans wurden natürlich einige Finanzmittel benötigt und so kontaktierte das Sponsoringteam des Fußballvereins 2015 auch verschiedene Weingüter.

Rieder: Über unseren Sommelier und das Weingut Horst Sauer haben die Kickers angefragt, ob wir uns ebenfalls an dem Projekt beteiligen wollen und so sind wir zum Distributor für den Kickerswein geworden. Diesen Wein, natürlich im Bocksbeutel, kann man für 19,07 € erwerben, was dem Gründungsjahr der Mannschaft entspricht. Man hatte gehofft, dass jeder von den 125.000 Würzburgern sich so einen Bocksbeutel kauft und dem Verein damit unter die Arme greift. Als Distributor kam für weguwo dabei kein Umsatz herum, wir haben das einfach zur Unterstützung des Vereins gemacht. Man muss aber sagen, vom Preis her hat das dann doch den einen oder anderen Kunden abgeschreckt, weil es einfach relativ teuer ist. Die Schnellkaufschwelle beim Wein liegt bei 5 € bis 5,50 €.
Die Kooperation passt aber trotz allem gut in unseren Shop und hat auch dazu beigetragen, dass wir bei unserer eigenen Strategie nachgebessert haben, um den medialen Schweif der Würzburger Kickers voll mitnehmen zu können.

ShopDNS: Finden Sie denn, Wein und Fußball passen gut zusammen? Das ist für viele Leute ja doch erstmal eine ungewöhnliche Kombination.

Rieder: Nein, eigentlich ist das überhaupt keine ungewöhnliche Kombination, gerade in unserer Region. Wir haben hier in den letzten Jahren definitiv ein kleines Fußballmärchen erlebt. Dazu haben wir Franken ein sehr gutes Weinprodukt, das auch von der jüngeren Generation gut angenommen wird. Der Bocksbeutel, die charakteristische Flasche, ist ein Symbol für die Region und gleichzeitig ein echter Exportschlager. Der Franke an sich ist ja sehr traditionsbewusst und von daher finde ich es extrem wichtig, dass man Fußball hier mit Wein verknüpft. Klar, auch wenn ich Weinhändler und Weinproduzent bin, freue ich mich beim Spiel manchmal einfach auf meine Bratwurst und mein Bier. Aber es gibt auch zahlreiche Stadionbesucher, die eine Weinschorle oder einen Schoppen bevorzugen. Auch bei den großen Vereinen sieht man seit einiger Zeit, dass sich das Getränkeangebot im Stadion verändert. In Dortmund zum Beispiel gibt es jetzt auch Weinschorle und der FC Bayern arbeitet mit der Sektkellerei Hofer zusammen.
Im Wein wie im Fußball liegen Emotionen und viel Leidenschaft. Und Fußball ist als gesellschaftliches Ereignis auch stark mit Genuss verbunden. Meine Kollegen und ich sind der Meinung, dass ein spannendes Spiel in einer geselligen Runde optimal von einem guten Wein ergänzt wird.

ShopDNS: Also dieses alte Klischee von wegen der Fußballfan trinkt nur Bier verändert sich gerade Ihrer Meinung nach?  

Rieder: Ja, auf jeden Fall. Es gehen ja mittlerweile auch mehr Frauen ins Stadion, wenn man es mal so geschlechterspezifisch betrachtet. Es ist nicht mehr wie früher, elf Leute rennen einem Ball hinterher. Klar, in der Reinheit des Sports irgendwie schon, aber das ganze Drumherum ist mittlerweile einfach ein großes gesellschaftliches Ereignis und zieht auch Leute an, die nicht unbedingt nur wegen dem Sport ins Stadion gehen, sondern auch einfach wegen dem gesellschaftlichen, schönen Ereignis. Und deshalb denke ich, dass Wein und Fußball hier in der Region definitiv zusammen gehören, was sich auch im Projekt Kickerswein widerspiegelt.

ShopDNS: Die Spezialisierung auf Frankenwein, Sponsoring für den örtlichen Fußball-Verein: welchen Stellenwert hat der regionale Bezug bei weguwo?

Rieder: Werte wie Nachhaltigkeit und Regionalität sind uns sehr wichtig und ich denke, dass wir uns damit auf lange Sicht durchsetzen werden. Unsere Strategie ist, zunächst einmal im lokalen und regionalen Bereich tätig zu sein, Mundpropaganda zu machen oder auch Sponsoring-Geschichten wie mit den Kickers, um so die Klicks in den Shop reinzubekommen.
Wichtig ist uns zudem, dass nicht nur die Produkte sondern auch alle sonstigen Leistungen rund um den Shop aus der Region kommen. Unsere Bilder sind natürlich keine Stock-Fotos, sondern werden von einer Fotografin aus Würzburg gemacht. Unsere Shopware-Agentur haben wir mittlerweile auch gewechselt und sind jetzt bei einer Agentur hier vor Ort. Das hat den Vorteil, dass wir kürzere Wege haben, die Kommunikation ist einfacher und man kann sich auch persönlich mit Partnern treffen. So ein bisschen regionale Verbundenheit oder Heimatverbundenheit ist ja auch ein Trend zur Zeit. Dieses regionale Konzept wollen wir sorgfältig aufbauen und nach außen tragen.

ShopDNS: Was sind Ihre Ziele für die nähere und fernere Zukunft?

Rieder:  In der nächsten Zeit wollen wir verstärkt mit den ganzen Weingütern die wir durch das Kickers-Projekt kennengelernt haben zusammenarbeiten und so unser Angebot an Frankenweinen weiter ausbauen und optimieren. Außerdem werden wir unseren Shop mit einigen neuen Features wie zum Beispiel einem Weinblog erweitern. Dieser soll sich mit allen möglichen Themen rund um Wein beschäftigen. Die einzelnen Artikel können dann direkt mit dem passenden Produkt im Shop verlinkt werden. Shopware bietet da ja zum Glück genügend Gestaltungsmöglichkeiten.
Definitiv ist es aber nicht unser Ziel, mit weguwo in einer Liga mit den großen bekannten Onlineshops für Wein mitzuspielen. Was wir derzeit langfristig anstreben, ist unseren Onlineshop mit Gastronomie und lokalem Handel zu verbinden. Als wir mit unserem Shop-Projekt begonnen haben war klar, dass das zunächst eine reine Online-Geschichte wird. Schließlich sind wir hauptberuflich alle an unterschiedlichen Stellen eingespannt. Aber an dem Projekt Wöllrieder Hof haben wir schon seit langem Interesse und wenn der Umbau in rund zwei Jahren abgeschlossen sein wird, soll es dort eine Vinothek und ein Restaurant geben. Der stationäre Handel und unser Onlineshop ergänzen sich dann.

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