Gögelein über Digitalisierungstendenzen im Handwerk

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Gögelein Geschäftsführer Raphael Juchler und Digitalisierungsexperte Julius Lipp in der ShopDNS Redaktion

Gögelein Geschäftsführer Raphael Juchler und Digitalisierungsexperte Julius Lipp in der ShopDNS Redaktion.

Dass das Handwerk oftmals konservativ konnotiert verstanden wird, liegt vielleicht in der Sache selbst. Einerseits Blickt das Handwerk wie kaum eine andere Branche auf eine langjährige – nahezu klassische – Tradition zurück, welche glücklicher Weise bis heute in Teilen des Berufsfeldes noch immer bewahrt wird. Andererseits unterstellt man dem Handwerker oftmals eine tendenziell unilaterale Begabung: Geschickt mit den Händen, kreativ, aber nur was das handwerkliche Vorstellungsvermögen betrifft, dafür jedoch ungeschickt im Umgang mit digitaler Technik und Medien. In der Branche selbst entwickelten sich in den Vergangenen 20 Jahren nun gegenläufige Meinungen, die gerade diese Fähigkeiten wiederum als unbrauchbar einstufen. Zu groß scheint der Widerstand diese Hürde zu überwinden, doch wird der digitale Markt auch die Zukunft des Handwerks verändern. Vielleicht ist der Widerstand gerade deswegen so groß, weil der digitale Zug für das Handwerk schon am Rollen ist und aus diesem Bewusstsein heraus genau das stigmatisiert wird, was auch ein Segen sein könnte?

Raphael Juchler ist Geschäftsführer der Würzburger Firma Gögelein und zusammen mit dem Digitalisierungsberater Julius Lipp in der ShopDNS Redaktion zu besuch, um mit uns über die digitalen Tendenzen und Möglichkeiten des Handwerks zu sprechen. Gemeinsam mit der Würzburger Shopware-Agentur webfellows planen und bauen sie seit geraumer Zeit am neuen Online-Shop. Gögelein selbst hat sich zur Aufgabe gemacht Sonnenschutz, Fenster und Türen zu vertreiben und zu installieren. Speziell für das Projekt Online-Shop habe man den Digitalisierungsexperten Julius Lipp eingesetzt. Handwerker seien in der Regel voll ausgelastet, erklärt Juchler mit einem Touch Ironie in der Stimme und haben keine Zeit für innovative Ideen in Sachen Marketing, eCommerce und Digitalisierung. Doch gerade das sei nun wichtig und gefragter denn je, denn auch der digitale Handel habe einen immer größeren Einfluss auf die Branche.

Gerade jetzt sei es möglich, neue Trends zu setzen, fährt Juchler fort. Denn wer jetzt nicht anfängt mit dem stiefmütterlichen Verhalten gegenüber dem digitalen Handel Schluss zu machen, der wird auf kurz oder lang den Anschluss verlieren.

Doch stellen sich gerade hierin wieder neue Fragen, vor allem auf struktureller Seite. Das Unternehmen hofft durch den Einstieg in den digitalen Handel auf einen größeren und überregionalen Kundenkreis, denn Gögelein agiert momentan nur regional. Ein neues Konzept muss also her. Ein guter Handwerker bewege sich in einem Radius von 50 Kilometer, sagt Juchler, sonst habe er „Dreck am Stecken“. Und auch für das Würzburger Unternehmen steht fest, dass ihre Handwerker nicht deutschlandweit unterwegs sein können. Deswegen muss versucht werden, die Kapazitäten in den jeweiligen Regionen so gut wie möglich nutzbar zu machen. Die Strategie liegt auf der Hand. Auch den Online-Shop werde man vorerst regional bewerben und mit neuen Marketingplänen dort ansetzen, wo bereits schon Partner vor Ort sind. Nach oben hin setzt Juchler diesem Spiel keine Grenzen. Auch eine Internationalisierung des Unternehmens könne man sich in ferner Zukunft vorstellen, meint er, doch denke man erstmals Step by Step.

Prinzipiell habe sich das Marketing in den letzten 20 Jahren gewandelt, erklärt Julius Lipp. Den neuen Online-Shop wolle man dementsprechend google-lastig bewerben. Google AdWords und Remarketing sein hierbei zentrale Ansatzpunkte, doch auch auf Kunden zugeschnittene Bannerwerbung wolle man künftig mehr nutzen. Hierfür arbeitet Gögelein schon eine Weile mit einer Marketingagentur zusammen. Die Zusammenarbeit solle zukünftig noch weiter ausgebaut werden. Eine Marketingkampagne laufe bereits und die Reaktionen seien hoch, sagt Lipp.

Er sei es auch gewesen, der durch seine Online Expertise und seine Recherche erstmalig auf das Shopsystem Shopware gekommen ist, erzählt Juchler. Anfangs habe er einen anderen Anbieter ins Auge gefasst, doch überzeugte Shopware letztlich durch die großflächigen Bilder und die Ausrichtung des Systems auf eine emotionale Erlebnisebene. Es stellt einen Mittelweg dar, eine Basis, welche für ein wachsendes Handwerksunternehmen wie Gögelein den Einstieg in den eCommerce ermöglicht.

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