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Bio-Obst mit sozialer Komponente: Beeming Box im Shop Test

Die Idee von Beeming Box mit Sitz in Hürth bei Köln ist simpel, aber ziemlich gut: Kunden können sich Boxen mit frischem Bio-Obst und Bio-Gemüse nach Hause liefern lassen und gleichzeitig mit jedem Kauf soziale Projekte in ihrer eigenen Stadt unterstützen. Zehn Prozent des Kaufpreises werden dann an ein von dem Kunden gewähltes Projekt oder Einrichtung gespendet. Real social business sozusagen, das sowohl Kunden anspricht die sich bewusst ernähren möchten, als auch Personen, die gerne lokal etwas Gutes tun möchten. Dafür hat Beeming Box auch die Anders Gründer Auszeichnung der KfW-Stiftung erhalten für Unternehmen, die zur Lösung eines sozialen Problems beitragen. Da mit einer einmalige Spende für die Projekte noch nicht viel getan ist und auch der einmalige Verzehr von Obst noch nicht zu einer gesünderen Ernährung beiträgt, gibt es auch die Option ein Abo abzuschließen. Neben dem Angebot für Privatkunden bietet Beeming Box auch die Belieferung von Unternehmen, Kitas und Schulen mit frischem Obst und Gemüse an. Wir haben uns diesen Shop genauer angesehen, wobei wir uns allerdings hauptsächlich auf den B2C-Bereich konzentriert haben.

Die vielen ansprechenden Bilder auf der Startseite von Beeming Box sind nicht nur echte Eyecatcher, sondern machen auch Appetit auf frisches Obst und Gemüse. (Quelle: Screenshot Beeming Box)

Dabei fällt zuerst das ansprechende Design ins Auge. Die Macher des Shops haben einige sehr ansprechende Bilder ausgewählt, die über die gesamte Bildschirmbreite dargestellt werden und sofort Appetit auf ein saftiges Stück Obst oder knackiges Gemüse machen. Dank einer guten Auflösung verpixeln die Bilder auch bei sehr breiten Bildschirmen nicht. Die Bilder, die Farbauswahl und die Anordnung der Inhalte passen gut zueinander und auch hervorragend zum Konzept des Shops. Außerdem ist das Design full-responsive.

Das Konzept von Beeming Box liefert tolle Möglichkeiten, um dem Kunden ein emotionales und außergewöhnliches Shopping-Erlebnis zu bieten. Leider wurde das im Shop kaum umgesetzt. Wer oder was ein „Beemer“ ist und was er macht könnte man gut durch Storytelling-Elemente darstellen und damit auch das Geschäftsmodell einfach und visuell erklären und starke Identifikationsmöglichkeiten für den Kunden schaffen. Das bildstarke Potenzial des Themas wurde leider kaum für die Markenkommunikation im Shop genutzt.

Ein guter Shop muss nicht nur ansprechend aussehen, sondern auch gut funktionieren und für den Kunden möglichst einfach zu bedienen sein. Das haben wir im nächsten Schritt getestet und uns die Usability näher angeschaut.
Auf der Startseite fällt zwar das schöne Design auf, aber was genau Beeming Box ist oder macht und wie das Ganze funktioniert, wird erst einmal nur ganz kurz angerissen. Erst wenn man auf den Menüpunkt „Über Beeming Box“ klickt, erhält man eine ausführlichere Erklärung. Auf dieser Seite ist auch ein Schaubild zu sehen, dass den ganzen Bestell- und Spendeprozess noch einmal visuell darstellt. Eigentlich sehr interessante Informationen, leider lässt sich das Schaubild aber nicht vergrößern und dadurch kaum lesen. Davon abgesehen ist der Shop übersichtlich und logisch strukturiert, die Navigation ist leicht zu verstehen und nachvollziehbar.
Etwas unpraktisch ist die Verlinkung auf der Startseite zu den Produktdetailseiten. Zwar sind für die einzelnen Produkte große Bilder ausgewählt worden, diese sind aber nicht anklickbar. Nur ein kleines Feld links oben in der Ecke der Bilder führt zum entsprechenden Produkt. Benutzerfreundlicher wäre es sicherlich, das gesamte Bild mit der Produktdetailseite zu verlinken.

Beeming Box Usability

Man könnte für den Nutzer den Weg von der Startseite zu den einzelnen Artikeln durchaus noch erleichtern, indem man das ganze Bild als Link zur Produktdetailseite nutzt, anstatt des kleinen anklickbaren Bereichs links oben am Bildrand. (Quelle: Screenshot Beeming Box)

Ein besonders kundenfreundliches Feature gibt es bei den Produkten: Da nicht an jede Adresse geliefert werden kann, muss vorher über die Postleitzahl überprüft werden, ob eine Lieferung möglich ist. Angenehm für den Benutzer ist, dass dieser Check direkt auf der Produktdetailseite gemacht werden kann und nicht erst im letzten Schritt der Bestellung erfolgt. Generell sind die Detailseiten übersichtlich und kompakt und bestehen aus einem Bild und einem Beschreibungstext. Alle Details zu Boxgröße, der Lieferung und dem Abo sind auf einen Blick erkennbar.

Beeming Box Produktdetailseite

Übersichtliche Produktdetailseiten und die Möglichkeit, gleich im ersten Schritt der Bestellung zu überprüfen ob an die gewünschte Adresse geliefert werden kann, bereiten dem Kunden ein angenehmes Einkaufserlebnis. (Quelle: Screenshot Beeming Box)

Unklarheiten sind uns nur bei dem Produkt „Frühstücksbox“ aufgefallen. Während bei den anderen Boxen angegeben ist, wie viel Kilogramm an Waren sie enthalten, ist bei der Frühstücksbox mit Müsli, Brotaufstrichen und Hafer- oder Mandelmilch unklar, wie viele Produkte und in welcher Menge und Zusammensetzung die Box enthält. Das ist vor allem deshalb ein Nachteil, da dieses Produkt um einiges teurer ist als die anderen Produkte  im Shop.

Beeming Box Produktdetailseite

Während zu den Obst- und Gemüseboxen Informationen hinsichtlich der enthaltenen Menge verfügbar sind, fehlen derartige Angaben bei der deutlich teureren Frühstücksbox. (Quelle: Screenshot Beeming Box)

Im nächsten Schritt widmen wir uns dem Service von Beeming Box. Danke einer „Wir über uns“-Seite kann der Kunde sich über das Unternehmen informieren. Das sorgt nicht nur für Seriosität, sondern bietet auch Identifikationsmöglichkeiten. Allerdings ist die Vorstellung eher unpersönlich gehalten, ohne Namen oder Teamfoto. Man könnte hier sicherlich stärker die menschliche Seite hervorheben, schließlich geht es um ein soziales Geschäftsmodell.
Positiv ist uns bei diesem Shop die gute Erreichbarkeit aufgefallen: Beeming Box kann man per Kontaktformular oder Telefon erreichen, eine Hotline-Nummer und die Geschäftszeiten sind auf der Startseite angegeben.

Beeming Box Footer

Kontaktmöglichkeiten und Informationen über Bezahlung und Versand sind ganz klassisch im Footer platziert. (Quelle: Screenshot Beeming Box)

Auf einer eigenen Seite für Payment und Versand werden alle Informationen ausführlich aufgeführt. Die Versandkosten sind bereits im Preis enthalten. Allerdings erfolgt keine Angabe darüber wie hoch die Kosten für den Versand sind. Außerdem werden auf der Seite keine Angaben über den Versanddienstleister gemacht, erst im weiteren Bestellprozess erfährt man dass die Bestellung mit dpd versendet wird. Dies hätte man durchaus noch etwas transparenter gestalten können. Bei den Bezahlarten sind generell die wichtigsten abgedeckt: Kreditkarte, Lastschrift und Vorkasse. Komfortabel für die Kunden wäre es allerdings, wenn auch die beliebten Zahlarten PayPal oder Rechnungskauf verfügbar wären. Icons für Payment und Versand wurden keine im Footer platziert, was zwar nicht zwingend erforderlich ist, aber die Übersichtlichkeit erhöht. Besondere Beachtung fällt bei Beeming Box auch den Spenden zu. Die Verwaltung der Spenden wird über einen Drittanbieter abgewickelt. Dieser wird zwar namentlich genannt, allerdings wird nicht auf seine Webseite verlinkt, was auf den ein oder anderen skeptischen Kunden durchaus unseriös wirken könnte. Bei Spendenangelegenheiten ist maximale Transparenz wünschenswert, denn Jeder möchte wissen, ob und wie seine Spenden bei der gewünschten Organisation ankommen. Quittungen über ihre Spenden sollen die Kunden bei der von ihnen gewählten Einrichtung direkt anfordern.

Höchste Zeit für eine Test-Bestellung! Beim Hinzufügen von Artikeln zum Warenkorb öffnet sich ein Pop-Up Fenster und zeigt eine Übersicht der zum Warenkorb hinzugefügten Waren. Man kann auswählen, ob man weiter shoppen oder zur Kassen gehen möchte. Fährt man mit der Maus über das Warenkorb Icon, öffnet sich ein Dropdown-Feld mit einer Übersicht über den Warenkorb. Dieses Feature stammt zwar noch von Shopware 4, ist aber trotzdem praktisch und macht das Einkaufen sehr übersichtlich.

Beeming Box Bestellprozess

Der Ajax-Warenkorb aus dem Shopware 4 Standard ist keinesfalls aus der Mode gekommen und ist ein praktisches Feature im Bestellprozess. (Quelle: Screenshot Beeming Box)

Vor Abschluss des Bestellvorgangs kann man ein Hilfsprojekt bestimmen. Auswählen kann man allerdings nur Projekte, die bereits Partner von Beeming Box sind. Das Ganze ist leider etwas verwirrend beschrieben. Bei unserer Testbestellung auf unsere Redaktionsadresse in Würzburg stand in einem Feld, dass wir nun entweder den Namen von einem konkreten Hilfsprojekte in Würzburg eingeben sollten, oder den Namen der Stadt um alle Projekte angezeigt zu bekommen. Unabhängig von dem was wir eintippten, erhielten wir immer die gleiche Meldung darüber, dass kein Projekt gefunden werden konnte. Das kam uns wie ein technischer Fehler vor und erst bei einer weiteren Testbestellung fiel auf, dass man wohl zuerst ein Hilfsprojekt vorschlagen und eine Kooperation zustande kommen muss, bevor man es im Bestellvorgang angeben kann. Dies verkompliziert die ganze Sache und sollte besser von Anfang an kommuniziert werden und nicht erst im letzten Schritt, wenn die Bestellung fast abgeschlossen ist.

Im weiteren Verlauf der Bestellung treten leider einige Ungereimtheiten auf: Das Auswählen der Einrichtung an die gespendet werden soll funktioniert nur, wenn mit dieser bereits eine Partnerschaft besteht. Klar kommuniziert wird das jedoch nicht zuvor. Zudem ist die Bezahlung per Vorkasse plötzlich nicht mehr möglich. (Quelle: Screenshot Beeming Box)

Denn das kann zu Kaufabbrüchen führen und könnte Kunden auch davon abhalten, noch einmal von neuem mit der Bestellung zu beginnen. Besser wäre es, von vorneherein klar zu machen, dass man erst ein Projekt in der eigenen Stadt vorschlagen sollte und dann bestellen. Zudem wird beim Bestellvorgang plötzlich angezeigt, dass die Zahlung nur per Lastschrift und Kreditkarte möglich ist, die Option Vorkasse ist einfach verschwunden. Alles in allem kam es also zu einigen Problemen bei unserer Testbestellung, die allerdings weitgehend in mangelnder Kommunikation bestehen.

Was uns außerdem aufgefallen ist:

  • Der Shop hat leider kein Trusted Shops Gütesiegel
    Beeming Box Produktfoto

    Trotz einiger kleiner Mängel und ungenutztem Potenzial in der Markenkommunikation ist Beeming Box ein hübsch gestalteter Shop. (Quelle: Screenshot Beeming Box)

  • Eine SSL-Verschlüsselung ist vorhanden, allerdings nur auf den Unterseiten und nicht auf der Startseite
  • Beeming Box verlinkt auf seine Facebook-Seite mit einem Button im Footer. Das ist nicht schlecht, etwas mehr Social Media Unterstützung könnte der Shop aber mit Sicherheit vertragen.

 

Unser Fazit:

Beeming Box ist ein kleiner aber schicker Shop der zwar nicht mit besonderen Features und technischen Spielereien, aber dafür mit einem tollen Konzept und einem schönen, ansprechenden Design überzeugt. Allerdings hätte das Thema noch um einiges mehr Potenzial, zum Beispiel was die Markenkommunikation über Storytelling und emotionale Inhalte angeht. Außerdem wäre es an einigen Stellen wünschenswert, Prozesse deutlicher zu erklären um Missverständnisse zu beheben.

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